Silvia's Kräutergenuss

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Januar 2014 - Eibe

Taxus baccata

Die Europäische Eibe (Taxus baccata), ist die einzige europäische Art in der Pflanzengattung der Eiben (Taxus) und gleichzeitig die älteste und Schatten verträglichste Baumart Europas.
Die immergrüne, langsam wachsende und harzlose Eibe wird in Mitteleuropa nur in Ausnahmefällen höher als 15 Meter. Bei Eiben befinden sich männliche und weibliche Blüten an unterschiedlichen Bäumen. Bis auf den rot gefärbten Samenmantel (Arillus), der becherartig den Samen umgibt, sind alle Pflanzenteile der Eibe stark giftig.

Die Europäische Eibe ist in ihrer Wuchsform sehr unterschiedlich, je nach Standortbedingungen baum- oder strauchförmig. An extremen Standorten wie etwa im Hochgebirge oder in Felsenwänden wächst sie sogar als Kriechstrauch. Im Norden der Türkei und in den Mischwäldern des Kaukasus wachsen Eiben von 20 und vereinzelt 32 Meter.
Die Eibe war für die Kelten ein heiliger Baum.
Für die Druiden war sie ein Symbol der Ewigkeit, der Überwindung des Todes durch die Weisheit.
In vielen Gegenden wurde sie zum Friedhofsgewächs reduziert. Nach bretonischem Aberglauben sollen die Wurzeln bis in die Münder der Toten wachsen. Eiben scheinen etwas Mystisches an sich zu haben. Sie sind auch in vielen Sagen von Bedeutung, in denen sie böse Dämonen vertreiben und den Weg in die Unterwelt säumen.
Eiben sollen bis 5000 Jahre alt werden, bestätigt ist jedoch lediglich eine Lebenserwartung von
600 – 1000 Jahre.
Wie schon erwähnt sind alle Teile der Eibe giftig, ausser Arillus. Der Gehalt ist in den
unterschiedlichen Baumteilen verschieden hoch und schwankt ausserdem in Abhängigkeit von der Jahreszeit und individuellem Baum.
Das Gift wird beim Menschen und anderen Säugetieren rasch im Verdauungstrakt aufgenommen und kann beim Menschen bereits nach 30 Minuten zu Vergiftungserscheinungen führen. Bereits ein Auszug von 50 bis 100 g. Eibennadeln kann tödlich sein. Der Tod tritt durch Atemlähmung und Herzversagen ein. Menschen, die eine solche Vergiftung überleben, tragen in der Regel einen bleibenden Leberschaden davon. Haustiere reagieren in unterschiedlichem Masse empfindlich auf das Gift der Eiben. Pferde gelten als besonders gefährdet, bei ihnen soll schon der Verzehr von 100 bis 200 g. Eibennadeln zum Tode führen. Unempfindlich gegenüber den Giften der Eiben sind dagegen Hasen und Kaninchen sowie Rotwild.
Die Eibe bietet ein vielfältiges Nahrungsangebot für verschiedene Tiere und Insekten.
Das Holz wurde bereits in der Jungsteinzeit von Neandertalern für den Bau von Bögen und Speeren verwendet, wie verschiedene Funde beweisen. Ein sehr gut erhaltener Eibenbogen wurde bei der Ötztaler Gletschermumie gefunden. Aber auch Gebrauchsgegenstände wie Löffel, Teller, Schalen, Nadeln und Ahlen wurden aus Eibenholz hergestellt.
Am meisten wurden Eiben zu Langbögen verarbeitet.
"Wer unter einer Eibe einschlafe, sei des Todes“; warnte Hieronymus Bock in seinem Kräuterbuch.
Seit dem Altertum gilt der stark giftige Samen der Eibe als sicheres Tötungsmittel.

Die Giftigkeit der Eibe ist bereits Thema der griechischen Mythologie:
Die Jagdgöttin Artemis tötet mit Eibengiftpfeilen die Töchter der Niobe, die sich ihr gegenüber ihres Kinderreichtums gerühmt hatten.
Auch die Kelten verwendeten Eibennadelabsud, um ihre Pfeilspitzen zu vergiften.
Dioskurides (griech. Arzt 1.Jh.) berichtete von spanischen Eiben mit einem so hohen Giftgehalt, dass sie schon denen gefährlich werden konnten, die nur in ihrem Schatten sassen oder schliefen.
In der Medizin spielten Eibenzubereitungen ab dem frühen Mittelalter eine Rolle. Wegen ihrer Zauber abwehrenden Wirkung wurden Sie gegen Tollwut bei Tieren und Menschen und auch gegen Schlangenbisse eingesetzt. Mit Eiben wurden unter anderem Krankheiten wie Epilepsie,
Diphtherie und Rheumatismus sowie Hautausschläge und Krätze behandelt.
Eibennadelsud wurde auch als Abortivum (Schwangerschaftsabbruch) eingesetzt.
Hildegard von Bingen (1098-1179) schreibt in Physica: "Die Eibe ist mehr kalt als warm und auch trocken und bedeutet Freude. Und wenn ihr Holz am Feuer entzündet wird, schadet der Dampf oder Rauch, der davon aufsteigt, niemandem, obwohl ihre Kälte dem Menschen etwas schädliches beibringt. Wenn jemand an seiner Nase oder in seiner Brust infolge schlechter Körpersäfte ein Gebrechen hat mit Schmerzen und Husten, soll er den Rauch dieses Holzes in seine Nase und seinen Mund aufnehmen, und so werden sich jene schlechten Säfte leicht und sanft lösen und ohne Gefährdung seines Körpers verschwinden. Denn die sanfte Kälte der Eibe enthält eine gewisse Trockenheit, die schädliche Säfte sanft löst. Aber auch wenn jemand aus diesem Holz einen Stock herstellt und ihn in seinen Händen trägt, ist ihm das gut und nützlich für Wohlergehen und Gesundheit seines Körpers. Denn die Kräfte dieses Holzes sind so stark, dass sie dem Menschen Gesundheit bringen, und der Teufel verachtet sie deswegen, deshalb hat der Mensch auch guten Erfolg mit ihnen."
In der Homöopathie wird eine Essenz aus frischen Eibennadeln bei Gicht, Lebererkrankungen, Rheuma, Blasenleiden und Hautkrankheiten verwendet.
1964 wurde in der Pazifischen Eibe (Taxus brevifolia) entdeckt, dass sie krebshemmende Stoffe enthalten. Es handelt sich dabei um die Taxane Paclitaxel und Docetaxel, die beide seit den 1990er Jahren in der Krebstherapie zum Einsatz kommen. Bei Eierstockkrebs waren rund 30% der Behandlungen erfolgreich und bei Brustkrebs gut 60%.
Neben der Verwendung als Gift- und Heilpflanze wurden Eibenbestandteile sogar als Nahrungspflanze verwendet. Der rote und süssliche Samenmantel, lässt sich zu Marmelade einkochen, sofern die giftigen Samen entfernt werden. Eibenlaub wurde in geringem Masse traditionell den Futterpflanzen des Viehs beigemischt, umso Krankheiten vorzubeugen. In einigen Regionen wie etwa Albanien wird dies bis heute noch gehandhabt.
Eiben werden gerne wie der Buchs in der Gartengestaltung eingesetzt, sie eignen sich sehr gut für geometrische oder figürliche Formschnitte. Beginnend mit der Renaissance wurden die immergrünen Eibenbäume daher in der Gartengestaltung eingesetzt. Schnitthecken aus Eiben waren besonders in Barockgärten sehr beliebt. Zu den bekanntesten barocken Gartenanlagen zählen die Gärten von Versailles. In England wurden gerne begehbare Labyrinthe aus Eibenhecken gestaltet.
      
(diese 6 Bilder stammen aus Quelle: Google)
In Deutschland gibt es ein paar Naturschutzgebiete, welche Eibenbestände mit 800 und mehr Jahre alten Bäumen haben.
In der Schweiz wird am Uetliberg, Zürich, die Eibe besonders gehegt und aufgeforstet. In Heimiswil, Emmental, steht die älteste Eibe der Schweiz. Dieser über 1000 Jahre alte Baum dient der Gemeinde als Wappen. Er steht in der Nähe des Wielers Kaltacker.


Mindestens 400 Jahre hat die Eibe "Brünhilde" unter der Rinde. Sie steht an fast unzugänglicher Stelle im Sihlwald – im Wüesttobel zwischen Horgen und Hausen am Albis. Brünhildes Stamm hat den stolzen Umfang von gut 3.5 m.
Auch Orts- und Flurnamen verraten alte Eibenstandorte. Früher hiess die Eibe auch Eye, Bezeichnungen wie «In der Ey» und «Eyholz», die in der Schweiz recht häufig sind, deuten darauf hin.
In der klassischen Literatur gibt es einige Stellen, wo über die Eibe geschrieben wird.
W. Shakespeare beschreibt den Brauch Eibenzweige bei Toten ins Leinentuch zu stecken und die Hexen aus Macbeth brauchen Eibensplitter, für ihren Zaubertrank. In "Romeo und Julia“ sagt Balthasar in der letzten Szene, in der Romeo stirbt:
"Derweil ich unter dieser Eibe schlief, träumt ich, mein Herr und noch ein anderer föchten, und er erschlüge jenen". Shakespeare beschreibt hier gleich zwei weitere mythologische Besonderheiten der Eibe: Zum einen glaubte man, dass man wenn man unter einer Eibe schliefe, Halluzinationen bekomme, wie dies bereits Dioskurides beschrieb.
Ein Arzt hat entdeckt, dass die Eibe an warmen Tagen tatsächlich ein gasförmiges Toxin absondert, welches zu Halluzinationen führen kann. Zum anderen spielt diese Szene auf dem Friedhof und dort sind Eiben sehr häufig Symbol des Todes. Ein Baum der Ewigkeit.

Da die Eibe Anteil an der Ewigkeit hat, glaubten die Kelten, sie sei das langlebigste Geschöpf auf Erden und lebe noch länger als die Eiche.
Auch die Germanen wussten um die Kraft der Eibe. Die stärkste all ihrer Schutzrunen war die Eibenrune (Ywaz) sie schützte vor Zwergen und der Sklaverei. Bis in die Neuzeit trug man auf dem Land ein Stückchen Eibenholz auf dem nackten Körper, um sich vor Verzauberung zu schützen.
Während Shakespeare und die Dichter des 18.-19. Jahrhunderts in der Eibe nur ein Symbol für den Tod sahen, galt die Eibe bei früheren Kulturen auch als Baum der Wiedergeburt und des Lebens, das nach dem Tod folgte. So glaubten die Kelten, dass die Eibe zwischen der Welt der Toten und Lebenden wachen würde. Sie galt wegen ihrer Verbindung zur Ewigkeit somit als heiliger Baum. Auch im alten Rom galt die Eibe als Baum, der die Unterwelt bewachte. Und ebenfalls die alten Griechen sahen die Eibe als Tor zur Unterwelt und als Wächterin der Seele.
Die Kelten weihten die Eibe der Totengöttin in ihrem dunkelsten Aspekt. Im keltischen Jahresrad steht der Baum für den Tod der Sonne, für den letzten kurzen Tag vor der Wintersonnenwende. Auch bei den Skandinaviern wohnte der Gott der toten Jahreszeit, der Wintergott Ullr, im Eibenwald, Ydalir.
Der Baum symbolisiert somit das Ende des Zeitenkreislaufes, der sich dann mit der Wiedergeburt des Sonnenkindes erneut zu drehen beginnt. Der Baum steht sozusagen an der Pforte zur Ewigkeit.
Sprachwissenschaftler vermuten, dass der keltische Name der Eibe, "Ivo" oder "Ibar", mit dem alten Wort "ewa" oder "ewig" verwandt ist.
Außerdem gibt es Überlegungen, ob Yggdrasil, der nordische Lebensbaum aus der Sage "Edda“, nicht auch die Eibe darstellt, anstatt wie bisher angenommen die Esche. Yggdrasil wird als "wintergrüne Nadelesche“ beschrieben. Doch die Esche ist im Gegensatz zur Eibe nicht immergrün, so dass die Vermutung nahe liegt, dass mit Yggdrasil die Eibe gemeint war.

Quelle: www.bonsaiclub.ch

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