Silvia's Kräutergenuss

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April 2014 - Eiche

Quercus robur
Königin des Waldes

Die alten Germanen huldigten ihr als heiligem Baum des Kriegs-und Donnergottes Thor.
Bei den Kelten und anderen Indogermanen hielt jeder Volksstamm seine Ratsversammlung unter einer heiligen Eiche. Keine Unwahrheit durfte unter der heiligen Eiche ausgesprochen werden.
Es heisst in einer Sage, dass die runde Tafel, um die sich König Artus mit seinen Rittern versammelte, aus dem Stamm einer einzigen Eiche geschnitten war. Dieser Eichentisch ist sozusagen das Urbild des Stammtisches, an dem sich heute noch die Männer versammeln und in gemütlicher Runde ihre Biere trinken.
Noch im Mittelalter hielt man unter der Eiche Gericht. Noch lange nach der Einführung des Christentums legte man unter der Eiche Gelübde ab. Schon Sokrates pflegte bei der Eiche zu schwören. Wird dabei ein Meineid gesprochen, trägt die Eiche – deren Früchte in Notzeiten zu Mehl gemahlen und sonst von den Schweinen zu saftigen Schinken verwandelt wurden – keine Eicheln mehr. Auch sonst würde Unglück über die Gemeinde kommen und Unfruchtbarkeit über die Felder.
Obwohl man inzwischen dem Gewittergott Thor abgeschworen hatte, glaubte man noch immer, dass der Baum solche Kräfte ausstrahlt. Auch der englische König pflanzte bei seiner Krönung eine Eiche. Und noch heute gibt es auf den Britischen Inseln die "gospel oaks“, unter denen keine Unwahrheit gesagt werden darf, unter denen der Pfarrer das Evangelium vorträgt und den Segen für seine Gemeinde erbittet.
Kaum ein Volk, das nicht Treue, Festigkeit, Kampfesmut, Gerechtigkeit und Willensstärke mit der Eiche verband.
Nach geglücktem Schuss stecken sich die Jäger gerne einen Eichenzweig an den Hut.
Die Eiche ist auch in heilkundlicher Sicht ein Baum mit Geschichte. Die antiken Ärzte verwendeten die Rinde des Eichenbaums zu ähnlichen Zwecken, wie die Mediziner von heute, nämlich gegen Entzündungen von Haut, Darm, Rachen und Mund. Der Grund: Eichenrinde enthält bis zu 20% Gerbstoffe. Deren Wirkung steckt schon bereits in ihrem Namen – gerben.

Abgekochte Eichenrinde hat eine entzündungshemmende (antiseptische), austrocknende (adstringierende) und juckreizmindernde Wirkung, weshalb sie in Form von medizinischen Bädern, Mundspülungen und äusserlichen Umschlägen gegen verschiedene Entzündungen und Hauterkrankungen genutzt wird.
Ferner eignet sich Eichenrinde für die Zubereitung von einem Rindentee, der z.B. bei
Haut-Krankheiten oder bei Magen- und Verdauungsproblemen eingesetzt wird.
Aus den Blüten der Eiche wird die Bachblüte Oak hergestellt, die zu mehr Stärke, Durchhaltevermögen und Tapferkeit anregen soll.
Hier heimische Eichen sind:
Flaumeiche (Quercus pubescens), Roteiche (Quercus rubra), Stieleiche (Quercus robur), Stein-Eiche (Quercus ilex), Sumpfeiche (Quercus palustris), Traubeneiche (Quercus petraea), Zerreiche (Quercus cerris)

Das Eichenholz  findet seine  Anwendung unter anderem für Wein-Cognac-Fässer. Weil die Eiche,
um so neuer das Fass ist, einen besonderen Einfluss auf Geschmack und Aroma von Wein hat,
die Barrique-Rot oder -Weissweine.
Eichenfässer aus der Wein-Lagerung werden auch für die Herstellung von Barrique-Schinken verwendet, einer Spezialität in Österreich und der Schweiz.
Dabei reift der Schinken zur Herstellung des besonderen Aromas im Eichenfass in einem Sud aus Essig, Honig, Meersalz und Wein. Anschliessend wird er in einer Honig-Marinade luftgetrocknet.
Neben seinen hervorragenden Holz-Eigenschaften besitzt Eichenholz einen hohen Heiz-Brennwert und eignet sich deshalb hervorragend als Brennholz für den Kachel-und Kaminofen. Zudem lässt sich Eichenholz wegen seiner hohen Verrottungsbeständigkeit und dem geringen Wurmbefall lange lagern.
Die gemahlene Rinde der Stieleiche diente in früheren Zeiten auch zur Herstellung von Gerbsäure oder Lohe zur Lederbearbeitung. Auch die Eicheln enthalten Gerbstoffe und wurden in der Gerberei eingesetzt.
Auf Eichen wächst ausserdem sehr häufig das Eichenmoos, eine Flechte, die als Duftstoff in Parfüms und Kosmetika verwendet wird, jedoch starke Allergene enthält, die bei empfindlichen Menschen zu Allergien führen können.
Die Eicheln sind Nahrungsquelle für viele Wildtiere wie Eichhörnchen, Baummarder, Wildschweine oder viele Vogel-Arten z.B. Eichelhäher.
Sie bietet auch Lebensraum für Käfer, Schmetterlinge und Insekten z.B. Eichelbohrer, Eichenspinner, Eichenwickler, Hirschkäfer, Rote Waldameise, Waldkauz und Fledermäusen.

Wegen ihrer grossen Symbol-Kraft und ihrem starkem Werte-Bezug ist die Eiche neben Birke und Linde eine beliebte Figur in Wappen.
Die Gemeinde Eichberg SG ziert ihr Wappen mit Blättern und Eicheln und die Gemeinde Chavannes-le-Chêne VD ziert ihr Wappen mit silbernen Eicheln.
In Schleswig-Holstein ist die Doppel-Eiche ein Wappen-Symbol von mehreren Gemeinden, meistens als Symbolik für einen geographischen Zusammenschluß. Eine Doppeleiche ist eine Eiche mit zwei Stämmen, die teilweise am Boden zusammengewachsen sind und eine gemeinsame Wurzel und Krone haben.

In Deutschland ist die Eiche etwa seit dem 17. Jahrhundert der typisch deutsche Wappenbaum.
Die "Deutsche Eiche" gilt neben der Linde als ein typisch "deutscher Baum" und so ist auf den 
1-, 2- und 5-Cent-Euro-Münzen ein Eichenblatt zu finden. Dabei handelt es sich um das Blatt einer Stiel-Eiche mit 2 Eicheln an einem Stiel.
Auch schon zu DM-Zeiten (21.6.1948 - 31.12.2001) bis zur Einführung des Euros am 1. Januar 2002 war als typisch deutsches Symbol neben dem Adler ein Eichenblatt mit einer Eichelfrucht auf der Rückseite der 1-, 2-, 5- und 10-Pfennig-Münzen zu finden.
Auf der 1-DM-Münze befand sich auf der Vorderseite und beim 5-DM-Schein auf der Rückseite das Eichenlaub.
Und auf der Rückseite der 50-Pfennig-Stücke pflanzte Gerda Johanna Werner kniend mit Kopftuch eine Eiche als Symbol für den Wiederaufbau von Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Durch dieses Motiv sollten die sog. Trümmerfrauen und Waldarbeiterinnen in der Wiederaufforstung geehrt werden.

Allgemein war der Eichenkranz und das Eichenlaub ein wichtiges Symbol für militärische, sportliche und zivile Abzeichen und Auszeichnungen für besonders mutige und herausragende Leistungen.
Zünfte von Handwerkern war der Eichenkranz oder das Eichenlaub ein oft verwendetes Symbol für Zunftwappen.
Speziell die Zunft der Gerber verwendeten es als Symbol in ihren Zunftzeichen.
Im frühen Mittelalter war die Eiche sogar namensgebend für einen Ritterorden, den "Orden der Eiche".
Im antiken Rom war der Eichenkranz ein Symbol der Amtswürde für grosse Feldherren, Herrscher und Kaiser wie Augustus, Caesar oder Konstantin und wurde für die hohe militärische Auszeichnung der Bürgerkrone (Corona Civica) verwendet.
Im alten Rom war der Eichenkranz auf der Rückseite von zahlreichen Münzen zu finden und die Sieger der Kapitolinischen Spiele, die in Anlehnung an die Olympischen Spiele im alten Griechenland stattfanden, wurden mit einem Kranz aus Eichenlaub (gebundene Eichenblätter) geehrt.

In der Baumsymbolik steht die majestätische Eiche für Werte wie Standfestigkeit, Härte, Freiheit, Ehre, Kraft, väterliche Weisheit, Männlichkeit, Unsterblichkeit und Unbeugsamkeit.
Nach der Mythologie der Antike und des Mittelalters sollen Eichen Blitze anziehen und häufiger als andere Bäume vom Blitzeinschlag betroffen sein.
Aus diesem Grund war die Eiche als Blitzbaum und Donnerbaum ein heiliges Symbol der obersten Götter und Himmelsherrscher in den alten Religionen:
Als heiliger Baum war die Eiche bei den Griechen dem Zeus geweiht, bei den Römern dem Jupiter, bei den Kelten dem Taranis und bei den Germanen dem Thor bzw. Donar.
Der Überlieferung nach soll der christliche Missionar Bonifatius im 8. Jahrhundert die sogenannte Donareiche, eine alte Eiche bei Fritzlar (Hessen Deutschland), gefällt haben, um den Eichenkult der Germanen zu beenden.

Bei Gewitter gab es ein altes Sprichwort:
"Vor den Eichen sollst du weichen. Und die Weiden sollst du meiden. Zu den Fichten
flieh´ mitnichten. Linden sollst du finden. Doch die Buchen musst du suchen“.
Allerdings ist es nach heutigem Wissensstand nicht ratsam, bei einem Gewitter den Schutz der Bäume zu suchen, auch nicht den einer Buche oder eines freistehenden Baumes.
Der Ursprung dieser alten Volksweisheit mag daher stammen, dass Bäume mit rauer Rinde wie die Eiche Blitzeinschläge schlechter in den Boden leiten können als Bäume mit glatter Rinde wie Buche, Erle oder Rosskastanie.
Blitzschäden sind deshalb bei Eichen besser zu erkennen als z.B. bei Buchen. Hinzukommt, dass Eichen öfter als einzelner Baum in der Landschaft zu finden sind und damit auch leichter Blitze auf sich ziehen.
Ein weiterer Grund mag in ihren tiefen Pfahlwurzeln bis in Grundwassernähe liegen, welche die Eiche zu einem wahren Blitzableiter machen.
Und zu guter Letzt wachsen Eichen bevorzugt auf Wasseradern und Kreuzungspunkten von Wasseradern.
Etwa bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war die sog. Eichelmast eine gängige Methode, um Schinken (Rohschinken) und Würsten ein würzigeres Aroma zu verleihen. Dazu wurden Schweine (Hausschweine) im Herbst in Eichen-Wälder getrieben, damit sie sich mit den Eicheln vollfrassen.
Die Tradition der Eichelmast ist heute noch auf der iberischen Halbinsel in Spanien und Portugal verbreitet bei der Herstellung von Schinken-Spezialitäten.
Die Eichelmast war in früheren Zeit von so grosser Bedeutung, dass in der Forst- und Waldwirtschaft der Wert von einem Eichen-Wald nicht nach dem zu erwartenden Holz-Ertrag bewertet wurde, sondern nach dem zu erwartenden Eichel-Erlös.
Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert waren Eichenwälder in weiten Gebieten der Schweiz eine wichtige Lebensgrundlage des Menschen: Die Eicheln ernährten die Schweine, der Stamm lieferte dauerhaftes Bauholz, und aus der Rinde gewann man den Stoff zum Gerben des Leders. Noch heute zeugen viele Flurnamen wie "Hard", "Eyfeld", "Eichholz" oder "Eichgubel" von der grossen Bedeutung, welche Eichenwälder bei uns einmal hatten.
Die dickste Eiche in Europa ist die Kvilleken in Schweden mit 14,75 Meter Umfang,
in der Schweiz von 8,90 m. Die älteste Eiche Europas wird auf etwa 1400 bis 2000 Jahre geschätzt, die Kongeegen in Dänemark.

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