Silvia's Kräutergenuss

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Mai 2014 - Kastanie

Aesculus hippocastanum

"Ein Igel ist auf einem Blatt
das wie die Hand fünf Finger hat
auf einem Baum,
du glaubst es kaum.
Der kleine Igel Stachelspitz
fiel auf den Kopf vom kleinen Fritz
von seiner Mütze in die Pfütze.
Da war es mit dem Igel aus,
er platzte und was kam heraus?
Mit einem Hops ein brauner Mops"
von Josef Guggenmos

Bei Kastanien denken die meisten Menschen an heisse Maroni auf dem Weihnachtsmarkt, hierbei  handelt es sich aber um die Edelkastanie. Der Rosskastanienbaum wird rund 30 Meter hoch und bis zu 300 Jahre alt. Von Mai bis Juni blühen weisse oder rosafarbene, aufrechte Blütenstände.
Diese 20-30 cm grossen, vielblütigen Rispen erinnern an einen Kerzenschmuck. Aus bis zu 100 Einzelblüten setzt sich eine solche "Blütenkerze" zusammen. Die mit einem gelben Farbmal versehenen Blüten dienen den Bienen und Hummeln als Wegweiser zum Nektar.
Nach der Bestäubung ändert sich die Blütenfarbe von einem leuchtenden Gelb in ein intensives Rot, für die Insekten wie ein Stoppsignal.

Im September bis Oktober reifen die braunen, glänzenden Samen, die wir als Kastanien kennen, in stacheligen Kapselfrüchten. Zur Freude jedes Kindes, die gerne gesammelt werden und mit denen sich gut basteln lässt.
Botanisch ist die Rosskastanie nicht mit der essbaren Edelkastanie verwandt. Die Edelkastanie ist ein Buchengewächs (Fagaceae), damit ist sie den Buchen und Eichen näher verwandt als der Rosskastanie. Sie gehört zur Familie der Hippocastanaceae.
Nach der letzten Eiszeit war der Rosskastanienbaum, der zuvor in ganz Europa verbreitet war, nur noch in den Mittelgebirgen Griechenlands, Albaniens und Mazedoniens zu finden.
Erst die Osmanen brachten die Kastanien zurück nach Mitteleuropa. Sie nutzten die braunen Samen als Futter- und Hustenmittel für ihre Pferde, daher stammt vermutlich der Name Rosskastanie.
Durch ihre stattliche Erscheinung und Blütenpracht werden Rosskastanien bevorzugt in Parks und Städten angepflanzt. Durch die breit ausladende Krone und die grossen Blätter spenden sie hervorragend Schatten. 1576 wurde die Rosskastanie erstmals offiziell in Wiener Gärten angepflanzt.
Der französische Sonnenkönig Ludwig XIV. liebte die ausladende Kastanie so sehr, dass er sie als Allee und in seinen Schlossgärten anpflanzen lies.
Kastanien wurden auch gerne über den Gewölbekellern von Bierbrauereien angepflanzt, weil ihre Wurzeln nicht sehr tief reichen und die üppigen Kronen reichlich Schatten spenden. Dadurch wurden die Bierkeller zusätzlich kühl gehalten, was der Bierqualität zugute kam. So kommt es, dass der typische Baum in Biergärten die Kastanie ist. 
Bis vor einigen Jahren galt die Rosskastanie als robuste, kaum krankheits- und schädlingsanfällige Baumart. Das hat sich in den letzten Jahren geändert. 1993 wurden erstmals in Deutschland im Raum Passau Bäume von der Rosskastanien-Miniermotte (Cameraria ohridella) befallen. Die 3 bis 4 mm grosse Motte wurde erstmals in den achtziger Jahren in Mazedonien nachgewiesen und breitet sich seitdem stetig nach Mitteleuropa aus. Mittlerweile ist sie in ganz Deutschland verbreitet. Eine Motte legt ungefähr zur Blütezeit bis zu 100 Eier auf den Blättern ab. Die geschlüpften Larven bohren sich in die Blätter und fressen Gänge in das Blattgewebe. Nach einigen Wochen verpuppen sich die Raupen dann in den Blattminen. Die befallenen Blätter welken durch die Frassschädigung, sie stellen die Fotosynthese ein und fallen meist im Hochsommer schon vorzeitig ab. Vor allem junge Bäume werden dadurch vorzeitig geschwächt und stellen ihr Triebwachstum ein. Interessanterweise befällt die Motte fast ausschliesslich weissblühende Rosskastanien.

(diese beiden Bilder stammen aus: www.waldwissen.net)
Rosskastanien-Miniermotte (Cameraria ohridella) Foto: Beat Fecker
Nach dem Befall durch die Rosskastanien-Miniermotte (Cameraria ohridella) färben sich die Blätter braun. Foto: Beat Wermelinger (WSL)

In der Volksheilkunde wurde die heilkräftige Wirkung der Rosskastanie schon früh erkannt.
Fast alle Teile werden in der Heilkunde eingesetzt. Ein Tee aus den Blättern, Blüten und Samen.
Die Rinde für Sitzbäder, Waschungen und ebenfalls als Tee.
Mitte des 16. Jahrhunderts wurde sie von Pietro Andrea Mattioli, dem Leibarzt von
Kaiser Maximilian II., in seinem Kräuterbuch erwähnt.
Rosskastanien-Extrakte werden heute vorwiegend zur Behandlung von Venenbeschwerden eingesetzt, also bei Krampfadern und Hämorrhoiden, rheumatische und neuralgische Schmerzen, Juckreiz, Schwellungen und müden Beinen. Weitere Anwendungsgebiete sind Wadenkrämpfe, Blutergüsse, Sportverletzungen, Hauterkrankungen, sowie gegen Husten.
Auch für die Schönheit wird die Kastanie eingesetzt. In Pflegecremes, straffenden Cellulitemitteln oder in hautberuhigende Badezusätzen. Als Shampoo fördern sie den Stoffwechsel der Kopfhaut und somit das Haarwachstum.
In der Rinde ist das Glykosid Aesculin enthalten, welches ultraviolettes Licht absorbiert, daher sind Rosskastanien sogar in einigen Sonnenschutzmitteln enthalten.
Auch als Bachblüten wird die Kastanie genutzt. Chestnut Bud (Frucht der Rosskastanie) für Lernfähigkeit und Lernbereitschaft, Red Chestnut (Rote Rosskastanie) für positives Denken und Gelassenheit, White Chestnut (Weisse Kastanie) für konzentrierte Gedankenkraft und die

Sweet Chestnut (Edelkastanie) "durch Dunkelheit zum Licht“.
Die Rosskastanien gelten als nicht essbar, was aber nur zum Teil stimmt.
Durch ihren hohen Saponingehalt (8-25%) sind sie der Gesundheit in grösseren Mengen nicht zuträglich, aber man kann die Saponine ausschwemmen.
Dazu röstet man die Samen bei niedriger Hitze leicht an, schält sie und schneidet sie in dünne Scheiben. Diese werden mehrere Tage lang gewässert, Wasser immer wieder erneuern oder in einen sauberen Bach hängen. Das ist die traditionelle Methode der nordamerikanischen Indianer. Danach werden die Früchte gekocht und sind essbar.
Sie enthalten etwa 10% Eiweiss, 5% Fett und 35% Stärke.
Weiterhin enthalten Kastanien auch Gerbstoffe und Gerbsäuren.
Wenn man kleingeschnittene Rosskastanien mit kochendem Wasser übergiesst, wird das Wasser seifig. Dieses Wasser kann man zum Waschen des Körpers und von Kleidungsstücken benutzen.
In Kriegszeiten wurden aus Kastanienfrüchten Seifen hergestellt. Heute dienen die Früchte hauptsächlich der Wildfütterung.
Zum Schluss noch ein Rezept gegen schwere Beine:
5 EL Rosskastanien
100 ml Wasser
Rosskastanien schälen, ca. 30 Minuten in 100 ml Wasser kochen, bis sie weich sind. Die Kastanien zu einem Brei zerdrücken und etwas abkühlen lassen. Den warmen Brei dünn auf die Unterschenkel streichen und ein Handtuch darum wickeln. Die Packung ca. 20 Minuten einwirken lassen und dabei die eingepackten Beine hochlegen. Danach die Packung mit kaltem Wasser abspülen und die Beine
eincremen.

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